„Zicke-Zacke Hühnerkacke – Maststallbauten im Emsland“

Kurzbericht vom Besuch beim Regionalverband „Grenzenlos Sozial und Grün“ in Nordbroek/NL und Surwold/Papenburg am 18. Februar 2011
Aus Anlass der anstehenden Provinzwahlen im niederländischen Groningen Anfang März reiste ich nicht nur für die Abendveranstaltung „Zicke-Zacke Hühnerkacke“ ins wunderschöne Emsland, sondern besuchte zuvor in der benachbarten Provinz Groningen einen landwirtschaftlichen Vorzeigebetrieb, der seit über 15 Jahren nach Ökologischen Kriterien wirtschaftet.

Der Landwirt führte uns mit seiner Frau und seinem ebenfalls mitarbeitenden Sohn in Nordbroek über den Betrieb. Anders als seine konventionell wirtschaftschaftenden Nachbarn setzt er auf Vielseitigkeit, ohne dabei den unternehmerischen Aspekt aus dem Auge zu verlieren. Zum Betrieb gehören seine Mutterkuhherde Blonde D’Aquitaine mit insgesamt 100 Tieren (Muttertieren, eigenen Bullen und Nachzucht), die 15 Zuchtsauen mit zwei eigenen Ebern (ein Hybrid aus Pietrain und einer niederländischen Landrasse) und die gerade im Aufbau befindliche Hennenhaltung für 15.000 Hühner aus Boden/Freihaltung. Diese Eier – so sei am Rande bemerkt – werden beinahe ausschließlich für den deutschen Markt produziert. Der Landwirt freut sich, dass in Deutschland seit langem die Nachfrage nach ökologisch produzierten Eiern deutlich größer als das Angebot ist und möchte diese Lücke gern schließen. Die Tiere sollen in drei Gruppen à 5.000 Tiere gehalten werden. Bislang wartet man seit Monaten auf die Genehmigung des Bauantrags. Es heißt, wenn konventionelle Landwirte in der Vergangenheit ihre Legebatterien erweitern wollten, hätten sie sich mit deutlich weniger Bürokratie konfrontiert gesehen, aber an eine Haltungsform mit Freihaltungsgehege müsse verständlicherweise aufgrund der erhöhten Seuchengefahr bei Geflügel deutlich höhere Anforderungen gestellt werden.
Dennoch begnügen sich die Arkemavs nicht nur mit der Produktion Landwirtschaftlicher Erzeugnisse, ihr umfassender Ansatz zeigt sich insbesondere in der Weiterverarbeitung bei Fleisch und Wursterzeugnisse sowie in der Vermarktung. Vorbildlich haben sie nach und nach in moderne Wurst- und Fleischverarbeitung sowie in Kühlanlagen im ehemaligen Kuhstall investiert, deren Endprodukte sich sowohl auf dem Markt als auch im Hofladen immer größerer Beliebtheit erfreuen. Viele MarktkundInnen scheuen den Weg aus Groningen nicht, um sich die gesamte Kette und die Herkunft ihrer Würstchen und Steaks vor Ort anzuschauen. Was sie sehen, begeistert sie und somit erweitert sich nach Aussagen der Landwirte der KundInnenstamm zunehmend.
Da aber Arbeitskräfte in der niederländischen Landwirtschaft durchaus rar sind, hat das Senior-Ehepaar auch hier eine kreative Lösung gefunden. Mit einem Fleischergesellen und einem befreundeten, im Ruhestand befindlichen Hauswirtschafterehepaar habe man zuverlässige und kompetente Mitarbeiter gefunden, die ähnlich wie sie aus Leidenschaft in der Landwirtschaft und im Handwerk tätig seien.
Dass diese unternehmerische Neugier auch eine genetische Komponente besitzt, zeigt sich am Werdegang des ältesten Sohns: Dieser hatte zunächst im elterlichen Betrieb angefangen, seine eigene Suppenproduktion zu eröffnen, mit der er allerdings nun seit einigen Jahren ins Gewerbegebiet in einen Neubau umgezogen ist. Auch seine Erzeugnisse lassen sich offensichtlich sehr gut vermarkten.
Weitere Details zum Betrieb in Nordbroek selbst unter:
www.arkemavlees.nl
Die Abendveranstaltung in Papenburg/Surwold war dominiert von der Frage des aktuell in der Planung befindlichen Stall-Neubaus. Hier hatte es die engagierte Bürgerinitiative mit anwaltlicher Unterstützung zunächst einmal geschafft, die Planung bis auf weiteres auf Eis zu legen. Und zwar mit einer generellen Forderung nach besserem Keimschutz und nach Brandschutzmaßnahmen für Stallbauten. Allein diese Forderungen werden den Bau lediglich verteuern und verzögern, aber langfristig die Megaställe kaum verhindern können, wie alle Anwesenden festhalten. Es muss dringend eine politische Lösung her. Zeitgleich zur Veranstaltung wurde in der Zweiten Kammer (NL) ein Gesetz verabschiedet, dass Stall-Neubauten für Intensivtierhaltung bis auf weiteres komplett untersagt. An diesem Punkt sind wir in Deutschland – geschweige denn in Niedersachsen oder im Emsland noch lange nicht. Eine Abstimmung im Bundestag (Antrag der Grünen Bundestagsfraktion) über eine Veränderung des §35 im Baugesetzbuch, der aufgrund der Privilegierung der Land- und Forstwirtschaft maßgeblich den Neubau von großen Einheiten ermöglicht, ist am 24. Februar (erwartungsgemäß) nicht durchgegangen. Allerdings wird die niederländische Entscheidung dazu führen, dass der Investitionsdruck aus Westen noch größer wird. Bereits jetzt kommen aufgrund der strengeren Entsorgungsvorschriften in den NL deutlich mehr Investoren über die Grenze und möchten ihr Geld in der emsländischen Landwirtschaft anlegen. Diese Tendenz wird nach dem o.g. Moratorium eher zu- als abnehmen.
Weitere Fragen betrafen einen möglichen Entschädigungsfonds: Was passiert mit Immobilien in unmittelbarer Umgebung von Megaställen? Mit welchen Geldern werden hier HauseigentümerInnen bei Wertverlust aufgrund der Geruchsimmissionen oder anderer Einschränkungen entschädigt?
Inwiefern greift das Umweltinformationsgesetz? Es wurde von vielen Fällen berichtet, in denen wiederholt Informationen seitens der Landkreise verweigert und nicht herausgegeben wurden. Und darüber hinaus: Wie kann man die Bürgerinnen und Bürger vor Ort stärker in den gesamten Planungsprozess mit einbeziehen? Könnte man – ähnlich wie im Verkehrsbereich – an Ortsbegehungen denken, zu denen alle interessierten BürgerInnen eingeladen sind und die verantwortlichen Vertreter des Landeskreises beziehungsweise der planende Landwirte seine Planung vorstellt?
Und natürlich wurde die verstärkte Vernetzung der BIs betont: Nicht immer ganz einfach, da beinahe alles im Ehrenamt abgewickelt wird, aber wie an den letzten Aktionen und nun auch an der gemeinsamen Homepage zu erkennen ist, zahlt sich die Zusammenarbeit im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken Nord-West“ auch aus.

Näheres zum Zusammenschluss unter:
www.buerger-massen.de
Für die interessanten Informationen aus dem Emsland und dem benachbarten Groningen möchte ich allen Beteiligten auf jeden Fall ganz herzlich danken – als AgrarIngenieurin schlägt mir bei solchen Te

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